Prescott-Besonderheiten in der Praxis
I. Kühlung
Intels Angabe zur Leistungsaufnahme der Prescott-CPUs (TDP - Thermal Design Power), liegt teils deutlich über den bisherigen Kandidaten mit Northwood Kern. Während für die Modelle 2.8E und 3.0E noch eine TDP von 89 Watt genannt wird, liegt der Wert bei den Versionen 3.2E und 3.4E bereits bei 103 Watt und dies trotz niedriger CPU Spannungen, die sich bei Prescott Modellen im Bereich von 1.25 bis 1.4 Volt bewegen. Warum die Leistungsaufnahme, trotz des geschrumpften Fertigungsprozess steigen kann, erklären wir im Kapitel 90 nm Fertigungstechnologie, zu finden im Anhang dieses Artikels.
Dennoch ist eine Schlüsselbotschaft seitens des Herstellers zum neuen Produkt, dass diese höhere Leistungsaufnahme der Prozessoren nicht dazu führt, dass neue Kühlermodelle hermüssen. Alle bisher für die hochtaktenden Modelle mit Northwood Kern vorgesehenen Kühler sind auch geeignet für Prescott Prozessoren. So war es auch wenig verwunderlich, dass bei unserem Testprozessor ein handelsüblicher Intel boxed Kühler beiliegend war.

II. Neues Kühlkonzept: Tcontrol
Intel hat für die Prescott CPUs ein neues thermisches Konzept entwickelt, das direkt auf dem Prozessor aufbaut. Ein Prozessor verbraucht, sobald er belastet wird, Leistung, welche er zum größten Teil in Form von Wärme wieder abgibt. Näherungsweise kann man sagen, dass die Temperatur linear mit der Leistung ansteigt, wenn der Lüfter konstant dreht. Die bisherige Spezifikation war, dass der Lüfter so ausgelegt ist, dass er die höchste unter Volllast auftretende Temperatur kühlen kann und immer mit konstanter Geschwindigkeit dreht. Unterhalb dieser Temperatur, genannt TCaseMax, besteht auch im Langzeitbetrieb keine Gefahr für die Langzeitstabilität.
Mit Einführung der Pentium 4 Modelle auf Prescott Basis, hinterlegt Intel im Prozessor nun einen weiteren Temperaturwert, bezeichnet als TControl, der aus Sicherheitsgründen etwas unterhalb von TCaseMax liegt. Genaue Differenzen konnte man uns nicht nennen.

Ziel ist es dabei, den Prozessor auch bei Leistungsaufnahmen unterhalb des dazugehörigen Levels bei diesem ungefährlichen Temperaturwert zu halten. Der Lüfter kann dann etwas langsamer laufen, bis TControl erreicht ist und läuft dann nur so schnell, dass dieser Temperaturlevel gehalten wird. Das Ziel ist also nicht mehr die tiefste Prozessortemperatur, sondern die langsamste Lüfterdrehzahl, was die Geräuschkulisse angenehm beeinflussen sollte.
Oberhalb von TControl bleibt alles beim Alten, hier läuft der Lüfter mit voller Drehzahl für maximalen Kühleffekt. Da eine CPU im Durchschnitt bei lediglich einem Drittel der Leistung betrieben wird, wäre hier ein positiver Effekt zu erwarten.
Die Überwachung der Drehzahl ist zukünftig Aufgabe des BIOS. Es soll ähnliche Lösungen verschiedener Mainboardhersteller ersetzen. Der Vorteil im Vergleich zu diesen proprietären Lösungen liegt darin, dass das BIOS die Eingreifgrenzen aus dem Prozessor auslesen kann und so optimal für die eingesetzte CPU arbeiten kann, während bisherige Utilities dieselben, vom Programmierer vorgegebenen, Werte pauschal für alle CPUs anwenden mussten.
Wir konnten uns in der Praxis leider keinen Eindruck von dieser neuen Funktion machen. Zwar beherrscht das Intel Testboard D875PBZ im Prinzip diese Funktionen, doch waren sie bei den Pressemustern nicht aktiviert.